Fragen von Rhythmus und Geschwindigkeit interessieren mich schon längere Zeit. In Berlin, wo ich 1997 einigen Monate im Rahmen eines Kunststipendiums lebte und arbeitete, fiel mir besonders die Schnelllebigkeit auf. Die Stadt hat ein hohes Tempo, sie ist sehr lebendig, verändert sich täglich. Die Kunstszene ist unheimlich dynamisch.
Die Zeit in Berlin war mir Anlass, mich systematisch mit den Auswirkungen der Schnelllebigkeit auf die Kunst auseinanderzusetzen. Ich las Texte zeitgenössischer DenkerInnen und diskutierte mit FreundInnen und Bekannten über das Phänomen. Weiter entschied ich mich dann, Interviews zu dieser Thematik zu führen. Ich fragte fünf Personen an, deren Arbeit und Meinung ich spannend finde und die unterschiedliche Positionen in der Kunst und zur Kunst einnehmen: Helen Adkins (Gründerin und künstlerische Leiterin der museumsakademie berlin), Boris Groys (Philosoph und Kunsttheoretiker, Professor für Kunstwissenschaft am ZKM, Zentrum für Kommunikation und Medien in Karlsruhe), Barbara Anna Hubig (Schriftstellerin, Lehrbeauftragte der Universität Berlin), Tadashi Kawamata (Künstler, Japan) und Annette Schindler (Leiterin des Swiss Institute in New York).
Für jede Person stellte ich einen
spezifischen Fragenkatalog zusammen. Inhalte, die ich bei allen zur
Sprache brachte – immer im Kontext zur Schnelllebigkeit – waren Kunst
und Alltag, Kunst und Öffentlichkeit, Kunst und Elite, Kunst und
Kommunikation, Kunst und neue Medien sowie Kunst und
Nähe/Distanz.
Die Interviews führte ich zwischen Mai
1998 und September 1998. Ich fuhr dafür an den Arbeits-/Wohnort
der angefragten Personen.
Die Gespräche habe ich
gekürzt, sie auf die Aspekte konzentriert, die ich im
Zusammenhang mit meinen Fragen aufschlussreich finde.
Die
redigierten Texte habe ich den interviewten Personen zum Gegenlesen
geschickt. Sie sind mit der Veröffentlichung in der vorliegenden
Form einverstanden.
Interview mit Helen Adkins
Helen Adkins ist Gründerin und künstlerische
Leiterin der museumsakademie berlin. Neben Ausstellungsort wird die
museumsakademie berlin auch Ausbildungsstätte für
zukünftige AusstellungsmacherInnen sein.
Frau Adkins, Sie zeigen an der museumsakademie seit 1996 zeitgenössische Kunst. Den Betrieb als Ausbildungsstätte wünschten Sie 1999 aufzunehmen. Welches sind Ihre Ziele für diesen "Ort der kritischen Auseinandersetzung"?
Das sind
hochgesteckte Ziele. Ich habe mir etwas ausgedacht, von dem ich denke,
dass es in Berlin und auch insgesamt in Deutschland fehlt.
Ich
komme selbst aus der klassischen Moderne. Ich habe 10 Jahre lang als
Kuratorin in grossen Museen freiberuflich gearbeitet, für riesige
Ausstellungsprojekte, zuletzt Berlin-Moskau beispielsweise. Und ich
habe mir durch die Auseinandersetzung mit diesen sehr grossen
Ausstellungen Gedanken dazu gemacht, machen müssen, was es
eigentlich bedeutet, Kunst der Öffentlichkeit zu zeigen.
Ich
habe dann mehr oder weniger den Beruf gewechselt. Ich arbeite nicht
mehr mit der klassischen Moderne, sondern mit der
zeitgenössischen Kunst. Der Grund war, dass ich etwas mit Kunst
zu tun haben wollte und nicht mehr ausschliesslich mit Politik.
Ich wollte mich irgendwie mit dem Schaffensprozess auseinandersetzen
und das geht natürlich nur mit lebenden Künstlern. Die Suche
nach dem Weg der Kunst, der ja im Moment sehr offen ist, interessiert
mich. Es gibt nichts, von dem man sagen kann, das habe ich jetzt,
sondern die Kunst ist in der Krise. Wenn ich hier eine Galerie
eröffne, die versucht, die verschiedenen Wege von jungen
Künstlern heute aufzuzeichnen, dann ist das eine gute
Ergänzung für Menschen, die unter einem andern Aspekt in die
Kunstwelt einsteigen möchten, die als Ausstellungsmacher einen
Weg suchen. Ich denke, es stellen sich genau so viele Fragen in der
Produktion der Kunst wie in der Form, die Kunst zu zeigen. In der
kritischen Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Ebenen kann viel
passieren.
Die Situation in Berlin ist irrsinnig zugespitzt. Es
gibt eine Unmenge von jungen Künstlern, von Galeristen, von
dynamischen Menschen, die jetzt irgend etwas in der Kunst bewegen
wollen. Aber ich meine, dass sie sich oft wenig Gedanken darüber
gemacht haben, was sie eigentlich bewirken könnten oder was die
Kunst überhaupt bewirkt. Wieso es die Notwendigkeit von Kunst
gibt und wieso diese Vielfältigkeit von Kunst jetzt so schwer zu
präsentieren ist.
Ich habe 10 Jahre lang Erfahrungen gemacht
durch diese riesigen Präsentationen, die mich dazu geführt
haben, hauptsächlich sehr viele Fragen zu stellen. Es sind
Fragen, die sich viele Menschen im Museum nicht stellen, obwohl sie
damit konfrontiert sind. Sie haben keine Zeit. Sie sind eben
administrativ gebunden, sie müssen sich um ihren Schreibtisch
kümmern, ich bin jetzt ein bisschen bösartig. Aber die
können sich nicht zurückziehen, um zu überlegen, was
sie da eigentlich machen.
Das Nachdenken würde zu den individuellen Standpunkten führen, deren Wert sie in ihren Informationen betonen. Es gibt aber neben den individuellen Standpunkten auch in der Kunst Strömungen, Zeitthemen, Trends.
Es gibt Trends, ja
sicherlich. Ich spreche verstärkt immer von Berlin. Das ist meine
Umgebung. Die museumsakademie ist hier im ehemals jüdischen
Viertel und heute ist hier jeder zweite Laden eine Galerie oder zeigt
in irgend einer Form eine Ausstellung. Der Trend hier scheint mir zu
sein, dass Kunst weg von den Objekten geht, Richtung Internet und
damit global wird. Diese Kunst bedarf natürlich auch einer ganz
anderen Struktur. Die klassische Struktur von Atelier, Galerie und
Sammler, die funktioniert überhaupt nicht mehr. Das Atelier ist
ein Büro oder ein Mediencenter. Für viele Galerien ist es
sehr schwer, dann mit solcher Kunst zu handeln. Es gibt auch ein
völlig anderes Sammlerpublikum.
Öffentliche
Finanzierung gibt es nicht. Private Finanzierung ist in Berlin auch
sehr schwierig. Sponsoren können oft Materialien, aber meist kein
Geld geben.
Da wird also eine Party gemacht. Das ist absolut
üblich. Es ist eher unüblich, wenn man keine Party macht.
Dazu gehören zwei DJ’s, die in der Stadt bekannt sind und dann
wird diese Kunst gesehen oder nicht gesehen, in einer
Club-Atmosphäre, wo die Besucherzahl irrsinnig wichtig ist. Also
bei der Eröffnung kostet es Eintritt und man kann Getränke
konsumieren. Und nachher brüstet man sich, dass 2'000 Leute da
waren. Die Kunst läuft nebenbei und wird oft so im Hintergrund
oder als Dekoration letztendlich benutzt und ich finde es witzig, weil
ich glaube, dass diese Künstler eigentlich der Meinung sind, dass
Kunst als Dekoration nicht richtig ist, aber letztendlich machen sie
genau das. Kunst ist ein Dekor, sie gibt eine Ambiance, ein Ambiente
für eine Club-Situation. Es ist gleichzeitig die Vermischung von
Trash, Kitsch und Kunst. Diesen Trend sehe ich hier sehr stark.
In Ihrem Text steht weiter: "Es ist zum Beispiel fraglich, ob die momentanen Konzepte zur Vermittlung von Kunst am Ende dieses Jahrhunderts den künstlerischen Intensionen noch angemessen sind."
Es geht jetzt nicht mehr darum, den Begriff Kunst in Frage zu stellen. Es geht auch nicht mehr darum, zu schockieren, sondern es geht darum, glaube ich, so nahe am Leben wie möglich zu sein und das ist vielleicht etwas Neues. Also den Kunstbetrieb grundsätzlich zu hinterfragen, z.B. dass eine Kunstzeitschrift jetzt auch von einem Künstler gestaltet wird und der ist nicht Gestalter, sondern er ist als Künstler dabei, das zu machen. Die Künstler gehen mehr und mehr in die Stadt raus, in den öffentlichen Raum, ohne Kunst am Bau zu machen, sondern vielmehr arbeiten sie draussen, in den Himmel, in die Tiefe, in alle möglichen Richtungen. Also die Räumlichkeiten ändern sich total und weiten sich, dehnen sich unglaublich aus. Ein Büro kann ein interessanter Kunstraum werden. Und man kann diese Sachen nicht mehr ins Museum einsperren. Die gehören da überhaupt nicht mehr hin.
Die heutige Kunst deckt sich mit unseren Alltagsbildern?
Ja, aber es
sollte ein reflektierter Umgang mit dem Alltag sein. Das ist eine sehr
komplizierte Frage, denn wenn sie nur Abbild wäre, dann ist es
keine Kunst, dann fehlt eine Distanz.
Um Kunst daraus zu machen,
muss eine gewisse Distanz da sein. Eine gedankliche oder eine
räumliche. Eine Aufmerksamkeit auf irgend etwas zu richten, was
im Alltag immer da ist, was aber in diesem Alltag völlig
unwichtig ist. Immer leicht versetzt. Es muss versetzt sein, auf alle
Fälle. Wenn es nur ein Abbild ist, ist es nicht von Interesse.
Aber es gibt viele Künstler, die das nicht schaffen. Die eben nur
das Abbild zeigen und manche Leute finden das irrsinnig spannend, weil
das ein Abbild ist, auf das sie ihr Augenmerk noch nicht gerichtet
hatten. Aber das reicht noch nicht für die Kunst.
Wie sieht ihr Konzept aus, die heutige Kunst zu vermitteln?
Ich habe nicht viele Antworten. Ich stelle viele
Fragen und das ist vielleicht auch die Idee hier: Die museumsakademie
als Diskussionsort. Wenn man diese Fragen untereinander stellt, dann
erhoffe ich mir etwas davon. Also, ich will nicht belehren und sagen,
ich habe das jetzt alles verstanden, überhaupt nicht.
Die
Konzepte, die es heute gibt, sind völlig traditionell. Konzepte
von Ausstellungen in Palästen, Kunstmessen, usw. halte ich
für absolut überholt. Ich rede trotzdem oft vom Museum, weil
selbst heute ist die Anerkennung durch ein Museum für die
Künstler noch sehr wichtig, das heisst, man ist professionell
geworden, man hat den Durchbruch geschafft. Ich denke, dass die Museen
sich überlegen sollten, in Städten wie Berlin an ganz
verschiedenen Orten Kunstplätze zu haben.
Das heisst weiter,
dass man statt bei der documenta Internet-Zentren zu installieren,
einfach nur die www-Adresse angibt und das während der 100 Tage
der documenta. Das ist dann tatsächlich virtuell. Ich fand es
einen Widerspruch, einen Raum mit zwei Monitoren pro Künstler
einzurichten. Das ist wie eine Ausstellung von Objekten letztendlich.
Das ist konzentriert auf diesen Ort und das Internet ist das Gegenteil
davon.
Ebenfalls wichtig finde ich, dass Künstler, die
eigeninitiativ etwas aufgreifen und einen Raum finden, um Arbeiten zu
realisieren, öffentlich mehr unterstützt werden sollten.
Bleiben wir noch bei der Finanzierung: Häufig sind das ja sehr kurzlebige Aktionen, die gar nicht aufbewahrt werden können.
Die Kurzlebigkeit
gehört dazu. Aber auch diese Arbeiten sind mit der Realität
verbunden, die Räume kosten eine gewisse Miete usw. Man kann
nicht täglich eine Party machen, sondern nur am Wochenende. Die
Künstler versuchen etwas zu erhalten über diese ganze
Kurzfristigkeit hinaus. Das wird mit verhältnismässig
herkömmlichen Mitteln gemacht, mit Video oder Fotos der
Installation oder von der Party, oder Tonaufnahmen von der
Stimmung.
Das sind so klägliche Versuche letztendlich, dann
doch noch eine Erinnerung zu haben, auch eine Erinnerung, die man
vermitteln kann, dass man sagen kann, das habe ich gemacht, auch damit
man eine Kontinuität der Arbeit aufzeigen kann.
Wie man das
Problem überwindet, weiss ich auch nicht. Man geht davon aus,
dass etwas erhalten bleiben muss. Nur damit kann ich belegen, dass ich
das gemacht habe, nur damit kann ich meinen Werdegang zeigen. Das ist
eine ganz traditionelle Haltung, die aus dem 18. Jahrhundert stammt,
eigentlich eine museale Sammelhaltung, Sammeln und Aufbewahren. Es
gibt manche Künstler, die ganz dezidiert sagen, das habe ich
jetzt mit Filzstift gemacht und in einem Jahr ist es weg. Oder die
haben irgend etwas in Plastik gegossen und das löst sich auf oder
es wird von Viechern aufgegessen.
Vielleicht ist die heutige Welt
so, dass man von diesem Sammlerdasein wegkommen muss. Dass man das
loslassen muss, dass alles nur noch Gedanke wird.
Was wird dann trotzdem von dieser Zeit bleiben, von dem, was heute in der Kunst passiert?
Vielleicht geht es
eben nicht mehr darum, dass da etwas übrig bleibt. Vielleicht
wird ein Buch darüber geschrieben, vielleicht kann man im
Internet darüber lesen. Vielleicht verschwindet tatsächlich
viel und nur ein Fragment bleibt übrig, ein kümmerliches
Restobjekt. Wir scheinen diese Objekte zu gebrauchen.
Es klingt
komisch, aber möglicherweise ist es ähnlich wie der
Vergleich eines wunderschönen Menüs, eines Tellers mit sehr
leckerem Essen darauf und auf der andern Seite die Möglichkeit,
10 Vitaminpillen zu nehmen. Also da ist der Genuss, das Essen und da
ist die Notwendigkeit, sich zu ernähren.
Ja und was geschieht mit der Sinnlichkeit? Mit den Sinnen?
Ja, ausgerechnet bei den Künsten. Ja, das ist interessant.
Ja, das finde ich auch. Meiner Meinung nach wird die Rückbesinnung auf die Sinne immer notwendiger, je mehr die Welt virtuell wird, damit wir überhaupt noch einen Realitätsbezug herstellen können. Die Sinnlichkeit muss gleichzeitig mit der Erfahrung der entmaterialisierten Welt bestehen.
Das ist richtig. Aber strebt die Kunst überhaupt
diesen Erhalt an?
Ist es notwendig, dass eine Aussage von Dauer
ist? Beziehen sich die Aussagen der Kunst nicht nur auf heute?
Vielleicht braucht es heute andere Kriterien, weil die Kunst, die Zeit
so schnell vergehen. Es passiert alles so schnell und die Menschen
suchen nach Auseinandersetzungen, Anhaltspunkten, nach Orientierungen,
im Moment, nicht erst in 20 Jahren. Das ist vielleicht eine neue
Situation am Ende des 20. Jahrhunderts, also des gescheiterten
Jahrhunderts, glaube ich, kann man schon sagen.
Des gescheiterten Jahrhunderts?
Neulich habe
ich mir Gedanken dazu gemacht, dass es am Anfang des 20. Jahrhunderts
eine unglaubliche Euphorie, Technik-Euphorie, Entwicklungs-Euphorie,
Rationalisierungs-Euphorie gab. Es ist nicht so lange her, dass es
Autos, Kommunikation gibt. Also am Anfang des Jahrhunderts gab es kein
Radio, das muss man sich wirklich vorstellen im Zeitalter des
Internets. Was das für ein Unterschied ist. Es sollte alles
besser werden. Und ich glaube, am Ende des Jahrhunderts ist eine ganze
Menge doch nicht besser geworden.
Die Technik ist doch nicht so
zuverlässig wie man denkt. Modernisierung und Technisierung
bedeuten nicht nur heile Welt. Das wissen wir inzwischen. Das wusste
man am Anfang des Jahrhunderts viel weniger. Wir zerstören unsere
eigene Welt. Ich übertreibe jetzt. Aber es gibt Hiobsbotschaften,
die am Ende des Jahrhunderts da sind, und eine gesellschaftliche
Utopie wüsste ich im Moment keine.
Auch die Utopie des
Kommunismus ist irgendwie in den Bach gefallen. Man muss sich auf sich
selbst zurückbesinnen und eine eigene persönliche Utopie
für sich, ganz im kleinen Rahmen entwickeln, sonst brauchen wir
gar nicht zu leben. Man muss reflektieren. Vielleicht ist diese
Verschnellerung eine Flucht davor, da muss man sich nicht
auseinandersetzen. Ablenkungsmanöver,
Beschäftigungstherapie, das kann man sehr gut machen heutzutage,
in der Schnelllebigkeit.
Auch mit der Masse der Informationen, die wir haben. Wir können uns dauernd informieren und meinen dabei noch, wir täten etwas Wichtiges.
Ja, absolut. Es gibt z.B. eine Ausstellung und alle Welt redet davon. Dann gibt es 3, 5 oder 50 Besprechungen. Also der Kritiker schreibt die Kritik, weil er den Auftrag bekommen hat, das zu machen und der Mensch, der verantwortlich ist für die Ausstellung oder der Künstler oder die Künstlerin regt sich unglaublich auf oder ist ganz glücklich, je nachdem. Und alle anderen nehmen das wahr, die das lesen oder mitbekommen und haben vielleicht ihre Fragen, aber die dauern einen Tag oder so und dann, wusch, sind sie weg. Und es bleiben so viele Fragen offen und es wird so wenig reflektiert darüber. Mit der museumsakademie möchte ich die Möglichkeit bieten, solche Sachen zu besprechen.
Um bei einer Ausstellung Anstoss zur Auseinandersetzung zu bekommen, braucht es gute Arbeiten. Welches sind ihre Kriterien bei der Auswahl der KünstlerInnen, die sie in der museumsakademie zeigen?
Ganz, ganz unterschiedliche. Das ist das
Angenehme bei der Arbeit mit der eigenen Generation, ich denke, wir
sind alle in derselben Welt und deshalb sind auch Fragestellungen,
Beschäftigungen vergleichbar, verwandt.
Aber nicht so, wie
Kuratoren Ende der 80er, Anfang der 90er, die eine grossartige Idee
hatten und ihre Arbeit mit der der Künstler verwechselt haben und
dann Künstler gesucht haben, die ihre Gedanken illustrieren. Das
nicht. Ich gehe soviel ich kann rum, also in den Himmel, in den
Keller, zu merkwürdigen Veranstaltungen. Bin oft enttäuscht.
Ich gehe nicht gerne zu Eröffnungen hin. Ich will mir die Sachen
anschauen und ich gehe gerne dort hin, wo ich mir meine Gedanken dazu
machen kann. Ich brauche auch eine Zeit der Reflexion, bevor ich dann
denke, aha, das kann was sein, das ist es nicht usw. Es kommen auch
Künstler zu mir. Ich gehe zu Künstlern hin, wenn ich etwas
gelesen, gehört oder gesehen habe, das ich sehr spannend finde.
Wenn ich angeregt worden bin durch eine Arbeit, mache ich einen
Atelierbesuch und wir sprechen zusammen. Dann sehe ich, wieviel
Substanz diese Arbeit für mich hat. Die Substanz der Idee ist mir
sehr, sehr wichtig. Die Idee kann sich aber ganz vielfältig
ausdrücken, in allen möglichen Medien. Aber ich stürze
mich nicht auf etwas, weil es eine neue Form hat. Wenn beispielsweise
jetzt ein Künstler ein Stück vom Mond ausstellt, dann gibt
es eine riesige Aufregung, weil es das erste Mal ist, dass in der
Kunst so etwas gemacht wird und das ist ungewöhnlich. Das reicht
mir nicht. Kunst ist oft so sehr konsumfreudig. Ich bin für
Kunst, über die man tatsächlich nachdenkt, die dann im Kopf
bleibt und die im Kopf etwas bewirkt.
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