Der Revisionist | ||
Kunst ist Kunst |
Jeder Mensch ein Künstler |
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Dieser Text wurde zum Anlass einer Ausstellung von Künstlern und Künstlerinnen geschrieben, die in einer mittelländischen Schweizerstadt unter einem Dach arbeiten. Die geographische Ebene ist heute zu schwach, um einen Rahmen sprachlicher Authentizität zu ermöglichen. Was scheint heute exotischer zu sein als Heimat, was befremdlicher als ein zum drittenmal hingeworfener, achtloser Satz in der Muttersprache. Es gibt keine lokalen Szenen. Die Ähnlichkeit der Art und Weise, wie wir uns von einander unterscheiden, projiziert sich aus den Wertsetzungen westlicher Kunst und unseren persönlichen (Miss)Verständnissen derselben auf diesen Ort zurück und spiegelt gerade so das Provinzielle. G L O B A L K O L O R I T Ich denke, dass gerade der Provinzbegriff sich heute virtualisieren will. Das "Globale Dorf" westlicher Sprachregelung hat ja mit der klassischen Vorstellung von Urbanität und Zentrum auch nichts mehr am Hut. Da ist die Reibung, dort die Kommunikation, hier bin ich, ich halte mich fest am Terminal meines abgekauten Zeichenstifts und die gute, alte Landschaft steht im Fenster. Hier beschreib ich (mich als) den Künstler. Der Künstler ist auch schon eine Kunstfigur. Die Grenzen der Systeme gehen schon mitten durch den Kopf. Weil mein Künstler ein Mann und mein Text ein wenig altmodisch, all- gemein ist, brauche ich den männlichen Artikel. Ich spreche nur vom Bildenden Künstler. Meine Perspektive ist die eines Frosches. Er träumt zwar, er wär ein Vogel - und bekommt gerade so nasse Füsse. A U C H . K Ü N S T L E R . L Ä C H E L N . I N S . T E L E P H O N Das Wort "Künstler" bezeichnet einfach einen Beruf. Mir liegt daran, darauf zu beharren, dass wer sich vielleicht zögernd so nennt, auch schon Künstler ist. Aber dann hat er das Geschenk und keine Ausrede ist mehr gut genug. Es handelt sich also um nichts als um einen Anspruch, und der definiert sich nicht über gesellschaftliche Akzeptanz, Qualität oder Können. Al Hansen sagte: Being artist is like being born with one leg. Man muss sich zu helfen wissen wegen eines Mangels. Man kann nicht glatt und gläubig in den gegebenen Strukturen funktionieren, muss über Selbst- verständliches stolpern. Verhält sich also der Künstler zum Menschen wie der Mensch (mit seiner verletzlich langen, entscheidungsunfähigen Kindheit) als zukurzgekommener Affe zu diesem? Dieser Vergleich stolpert nicht nur, er hinkt. Die Erfolgsstory der Künste wird zwar ähnlich der Erfolgsstory des Menschen mythisiert, doch hat sie mit der Lage auch des erfolgreichen Künstlers herzlich wenig zu tun. Zumindest heute ist er kein Modell von etwas Zukünftigem und war es vielleicht nie. Was er tut, ist: er re-agiert, er kommt immer erst als zweiter und stolpert. Aber wie er stolpert! Franz Kafka hat darüber (über eine Maus, die Kunst pfeift) eine Geschichte geschrieben, vielleicht kennen Sie die. |