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: Von Sommer 2012 bis Herbst 2016 entwickelten wir das Studien-Projekt Digitale Abstraktionen. Bestandteile unserer Untersuchung sind eine gross angelegte Web-Site mit Archiv, eine Ausstellung im Haus der elektronischen Künste Basel (Hek) und ein digitaler Katalog (eBook) mit Essays und Künstlerbeiträgen, der vom Institut Kunst der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel herausgegeben wird.
Die Einladung von KünstlerInnen für eine räumliche Ausstellung war für uns eine Premiere. Unsere früheren Ausstellungen
dienten (wie die Beam-Vorträge) als sekundäre Präsentationsform für unsere Online-Projekte.
An der Ausstellung im Hek waren 18 KünstlerInnen bzw. Gruppen aus Amsterdam, Basel, Berlin, Brighton, Brüssel, London, Los Angeles, Lugano, Luzern, Montreal, New York und Vancouver beteiligt. Drei der KünstlerInnen bekamen von uns einen Werkauftrag, den anderen konnten wir Künstlerhonorare anbieten. Digitale Abstraktionen ist ein Tochterprojekt von xcult.org, das Konzept wurde von Reinhard Storz mit Elisabeth Ritschard entwickelt und die Ausstellung gemeinsam mit Alexandra Adler kuratiert. Das eBook wurde von Esther Hunziker gestaltet.
: Von Winter 2008 bis Frühling 2011 entwickelte sich als work in progress unser internationales Kuratoren-Projekt beam me up. Eingeladen waren KünstlerInnen und AutorInnen aus unterschiedlichen Fachgebieten und aus verschiedenen Ländern, sich in Kunstbeiträgen und Essays mit Interpretationen des Raumbegriffs zu befassen. Über Monate hinweg stellte beam me up immer neue Raumkonzepte vor, die sich auf Bilder wie auf Texte, auf künstlerische und philosophische Modelle wie auf die wissenschaftliche Praxis berufen. Beam me up ist ein Tochterprojekt von xcult.org, das Konzept wurde gemeinsam von Reinhard Storz, Monica Studer und Christoph van den Berg entwickelt. Die ProjektteilnehmerInnen stammen aus China, Japan und Indien, aus Italien, Spanien, Deutschland, England und der Schweiz, aus Kolumbien, Kanada und den USA.
: Annette Schindler und Reinhard Storz arbeiten seit 2006 an der Planung und am Aufbau des Doppelprojekts DIGITAL ART COLLECTION und DIGITAL ART STORE (DAC/DAS). Was zuerst unter dem Titel "Package Deal" als Galerie für Netzkunst angedacht war, hat 2008 die Form einer von uns verantworteten, wachsenden Sammlung für digitale Medienkunst angenommen, der ein Online-Store für den Verkauf von Medienkunstwerken angegliedert ist. Das Web-Portal zu DAC/DAS wurde im Herbst 09 veröffentlicht, ihren physischen Ort sollen DAC/DAS ab Mai 2011 im Haus für elektronische Künste Basel finden. So war das vorgesehen. (Nachtrag: Erst 2016 ging ein Teil der DIGITAL ART COLLECTION als Dauerleihgabe an das Haus der Elektronischen Künste Basel).
: Begleitend und unterstützend zur Gründung von DAC/DAS stellten sich im interdisziplinären Forschungsprojekt Owning Online Art - Study for a net art gallery von 2007 bis 2009 verschiedene AutorInnen die Frage nach den Marktbedingungen für Netzkunst und digitaler Medienkunst.
Owning Online Art ist ein KTI-Forschungsprojekt des Institut Kunst / Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel / FHNW. Die Publikation zum Forschungsprojekt erscheint im Sommer 2010 und wird herausgegeben von Markus Schwander und Reinhard Storz. Die Textbeiträge stammen von Isabel Zürcher, Kunsthistorikerin Basel, von AutorInnen der Universität Bern (Peter Schneemann, Rahel Mader), von der Hochschule der Künste Bern (Tabea Lurk), der Hochschule der Künste Zürich (Felix Stalder), und von der Universität St.Gallen (Simon Grand). Weitere AutorInnen sind die KünstlerInnen Olia Lialina (Merz Akademie Stuttgart) und Carlo Zanni aus Mailand.
Kurzbeschreibung des Kti-Forschungsprojekts Owning Online Art:
Das Genre der digitalen, netzbasierten Kunst ist noch jung. In der Schweiz und international entstehen seit über zehn Jahren jedoch bedeutende Arbeiten, die Eingang finden sollen in öffentliche und private Kunstsammlungen. Das Forschungsprojekt untersucht die Herausforderungen, welche netzbasierte Kunstprojekte an unsere kulturelle, juristische und ökonomische Konzeption von Kunstbesitz darstellen und die Bedingungen, unter denen Netzkunst in die Ökonomie des Kunstmarktes überführt werden kann.
Projektleitung: Reinhard Storz, Markus Schwander (Institut Kunst, Hgk Basel). Unterstützt durch KTI, Projekt-Nr. 8449.2;2 ESPP-ES www.ooart.ch
: Oktober 2007, einige Gedanken zu xcult.org.
Nach gut 10 Jahren ist die Gründungs-Idee, xcult.org als Online-Plattform für KünstlerInnen- und AutorInnen-Beiträge zu pflegen, in Auflösung begriffen. Was in den Jahren zwischen 1995 und ca. 2005 wirkungsvoll war und sowohl auf ProduzentInnenseite wie beim Publikum auf Zuspruch stiess, hat sich allmählich abgenützt. Im Rückblick lässt sich erkennen, dass xcult in diesen 10 Jahren doch sowas wie ein Community-Projekt war: nicht das einer Jugend-, Pop- oder Aktivisten-Community, aber das einer lose verbundenen, virtuellen Gemeinschaft von KünstlerInnen, VernetzerInnen und KunstautorInnen, die es schätzten, ihre Werke und Texte über die gemeinsame, kuratierte Plattform xcult.org zu publizieren.
Zählt man die Projektbeiträge aus den vergangenen 10 Jahren, werden im Projekt-Menu von xcult 55 Online-Kunstprojekte angezeigt. Und über die selbe Zeit hinweg im Textangebot Index-Seiten von 42 TextautorInnen mit mehreren hundert Einzeltexten.
:2004/05 begannen wir, neben der chronologischen Liste aller auf Xcult angebotenen Netzkunst-Werke eine zweite Liste mit ausgewählten Projekten einzurichten, deren Aufbau thematischen Kriterien folgt. Sie enthält Gruppenprojekte wie [Ram Show], [shrink to fit] und [56kTV bastard channel], in denen eingeladene KünstlerInnen und AutorInnen zu einem vorgegebenen Thema arbeiten, und Sammelprojekte wie [shop], [Texte, Scripts & Codes] und [TOUR 1+2], in denen Einzelwerke nach thematischen oder formalen Gemeinsamkeiten zusammengefasst sind. Die thematische Projektliste enthält in acht Gruppen- bzw. Sammelprojekten über 70 Kunstbeiträge der letzten 10 Jahre, wobei einige Werke aus den Gruppenprojekten auch in einem Sammelprojekt verlinkt sein können. So sind etwa unter [Texte, Scripts & Codes] alle wichtigen Arbeiten auf Xcult versammelt, die einen literarischen Hintergrund aufweisen oder sich interaktiv mit verschiedenen Textformen befassen.
:Restauratierungsarbeiten auf Xcult (2005): Verschiedene Werke aus dem Jahr 1999, die in der html-Layertechnik der 4. Browsergeneration realisiert waren, konnten von den späteren Browserversionen nicht mehr dargestellt werden. Im September 2005 wurden sie nach der Vorlage des Originaldesigns in flash-Technik nachgebaut.
Betroffene Werke: 'Taschenorakel', 'Create Identity' und 'Haupteingang' (alle ramshow, 1999); 'Übung im Ertrinken' (1999). Für 'checkin' / Fasten seat belt' (1998) wurden neue Imagemaps programmiert.
:Seit April 2004 hat Xcult in Deutschland einen eigenen Root-Server. So können wir Kunst-Projekte mit speziellen Software-Ansprüchen besser unterstützen und einem datenreichen Bild- und Filmmaterial gerecht werden. Der Künstler Marc Lee unterstützt uns servertechnisch.
:2001/02 realisierten wir das Projekt 'shrink to fit', mit KünstlerInnen- und AutorInnenbeteiligung aus Deutschland, Italien, Kanada, Österreich, der Schweiz und den USA.
Was man heute im Medienzusammenhang unter dem Begriff "Ökonomie der Aufmerksamkeit" diskutiert, ist eine Kernfrage dieses Projekts. Die Dramaturgie der schnellen Verführung und Repräsentation, welche sich in Trailers, Clips und Spots immer auf beworbene Produkte bezieht, wird im Konzept von "shrink to fit" zur autonomen Form, zum zerdehnten oder beschleunigten Umgang mit dem eiligen User und seiner prekären Präsenz.
Der Zugriff auf "shrink to fit" erfolgt über ein kleines Flash-Interface, das dem SMS-Display von Handies nachgezeichnet ist. Es kann auf allen Webseiten problemlos eingefügt werden, denn "shrink to fit" hat keine eigene Seite und Adresse, es ist ein Schmarotzer. So realisiert sich im Interface das Prinzip eines Web-Inserts.
Credits: Projektleitung Reinhard Storz / Xcult.org. Konzeptuelle Mitarbeit und Interface-Design Monica Studer / Christoph v d Berg, Basel. Kuratorische Mitarbeit für Teilbeiträge: Barbara Basting, Zürich und Hans Rudolf Reust, Bern. Produktion: Xcult.org
'Shrink to fit' wurde begleitet vom Forschungsprojekt ‚Netzkunst - online und im Museum‘. Untersuchungsgegenstand dieses DoRe-Forschungsprojekts Netzkunst - online und im Museum waren Fragen der Produktion, Vermittlung, Rezeption und Archivierung, die sich im Zusammenhang mit der kuratorischen Praxis von Netzkunst ergeben. Um die Fragen in der Praxis überprüfen und analysieren zu können, wurde das Kunstprojekt shrink to fit in einer Online-Fassung sowie in einer online geschalteten Computer-Installation im Museum für Kommunikation Bern realisiert.
Projektleitung: Reinhard Storz, Institut Kunst / HGK Basel
Projektverantwortung: Hans Rudolf Reust, HGK Bern
Persönliche und institutionelle Unterstützung durch Jobst Wagner - Kunstmuseum Bern/Gegenwart und durch Thomas Meier / Museum für Kommunikation Bern.
Projektförderung durch DoRe / Schweizerischer Nationalfonds (SNF), KTI-Projekt Nr.5691.1 FHS, 2001/02
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Im Sommer-Herbst 1999 lancieren wir das Projekt RAM SHOW zur Thematik von Telepräsenz, Erinnerung und Identitätskonstruktion auf dem Netz. Werbetext: „Das kann auch Ihnen geschehen! Immer mehr Personen verlieren im Real Life ihr Gedächtnis... Ab 21.Mai 00 präsentiert Ihnen RAM SHOW wöchentlich Freitags ab 22:00 MEZ neu die aktuellen Schicksale. Helfen Sie der Agentur cross-comm bei der Heilung von Amnesiepatienten.“
Im Rahmen der RAM SHOW werden 12 KünstlerInnen/Gruppen dazu eingeladen, regelmässig Beiträge zu einer gemeinsamen Erzählung zu gestalten und direkt auf den Server zu schicken. Alle Mitspieler sollen ihren Erzählstrang weiterspinnen und zu den Beiträgen anderer MitspielerInnen inhaltlich und strukturell in Beziehung setzen (verlinken). So erweitert sich in der RAM SHOW unser narrativer Zugang zum Thema der Identitätskonstruktion um die Methode des kollaborativen Hypertextes.
Unter den MitspielerInnen bei der RAM SHOW findet sich ein guter Teil der Schweizer "NetzkünstlerInnen" und -AktivistInnen dieser Zeit, freie KünstlerInnen, die sich für ihre multimediale Kunstarbeit bereits auch mit Computeranwendung und Netzarbeit beschäftigen. Dazu gehören VertreterInnen von K3000 (ex Kombirama) Zürich, Centre Image /St. Gervais (Genf) bis www.Xcult.ch (Basel), www.activerat.ch (Bern) und www.wurst.ch (Luzern). Vom Redaktor bei Nettime bis zur Hörspielautorin bei deutschsprachigen Radiosendern. Einige der Projektbeteiligten arbeiten als DozentInnen an Kunsthochschulen in Zürich, Genf und Basel.
Das Projekt hat im Juni 2000 seinen Probelauf und startet definitiv ab mitte September bis mitte Dezember. In dieser Zeit entwickeln die MitspielerInnen ihr Teilprojekt bezogen auf die anderen Beiträge kontinuierlich weiter und legen die neuen Bestandteile mit 1-2wöchentlicher Regelmässigkeit aufs Netz.
Lineare Lesarten innerhalb einzelner Teilprojekte sollen möglich sein, ebenso wichtig ist aber auch die Hypertext-Vernetzungen unter den Teilprojekten.
Als Einstieg ins Spiel RAM bieten wir den narrativen Plot einer Agentur zur Rehabilitation von Amnesiepatienten. Der dient als Schuhlöffel für die MitspielerInnen und das Publikum. Wir denken, dass diese Einstiegsthematik des Gedächtnisverlusts jederzeit auch Auswege aus der narrativen Form ermöglicht. Denn wir wollen nicht nur erzählerische Reaktionen zulassen. Die Themenkomplexe der geistigen und körperlichen Identität, des Gedächtnisses, der Telepräsenz, der Hirn- und Sprachforschung, der Semiotik, der Netz-Kommunikation und der fantastischen Realitätskonstruktion - sie alle bieten Andockstellen zu unserer Eingangsgeschichte. Technisch-formal auch der Einbezug von Text, Bild, Animation, Quicktime-Filmchen und Ton.
Zu den MitspielerInnen gehören: Davix (Luzern), Birgit Kempker (Basel), k3000 (Zürich), Simon Lamunière (Genf), Mikka Maasalo (Helsinki), Laurent Schmid (Bern), Markus Schwander (Basel),
Felix Stalder (Toronto), Miriam Steinhauser (Zürich), Reinhard Storz (Basel), Marion Strunk (Zürich),
Monica Studer / Christoph v d Berg (Basel)
Unsere Netzarbeit begann im Frühling 1995. Obwohl wir wussten, dass das www bald zum Kommunikationsstandard würde, - gerade lancierten Netscape und Explorer ihre 2. Browserversionen -, misstrauten wir dem Web als einer Plattform für Einweg-Kommunikation.
Von Frühling 1995 bis Sommer 1996 arbeiteten wir mit einem 'Bulletin Board System' (Software: FirstClass), bei dem sich die KommunikastionsteilnehmerInnen per Namen anmelden mussten und man für die Chat-Funktion immer erkennen konnte, wer gleichzeitig online war. Alle TeilnehmerInnen wählten sich über den selben Provider ein (in unserem Fall: THEswissTHING Basel), was die Reichweite natürlich einschränkte. BBS war ein Protokoll, das email mit einer Chat-Funktion verband. Neben Texten liessen sich kleine Bilder als Preview einfügen (Bild oben). Nach ersten Versuchen auf dem Web-Server von thing.vienna im März stieg thing.ch im Herbst 96 selbst auf das WWW-Format um.
Unsere ersten Versuche einer Simultankommunikation (Texte und Bilder) in BBS mit mehreren TeilnehmerInnen:
- Mai 1995: Erster simultaner Austausch von kleinen Bildern und Texten mit 5 Knotenpunkten in Basel. Dauer etwa 2 Stunden. (Kein Dok-Material, aber die Erinnerung an einen fiebrigen Thrill.)
- 30.Juni/1.Juli 95: Workshop verschiedener Kunstschulen zur Arbeit mit Neuen Medien / Video-Installationen im Dampfkessel Bern. Für die SfG Basel (Videoklasse) realisierte thing.ch eine Online-Text/Bild-Kommunikation im Internet (BBS). Wir hatten Bilder im Format 286 x 128 Pixel vorbereitet, die wir uns gegenseitig zusandten. Die empfangenen Bilder veränderten wir schnell in Photoshop 2 und schickten sie wieder los. Spontan entststanden in Bern auch Beiträge durch StudentInnen (Doris Traubenzucker, Bettina Grossenbacher) und durch Gäste (Gerd J. Lischka, Daniela Manz). Als Kommunikationspartner in Basel waren gleichzeitig Carlo Bernoulli, Tina Schoepflin, ARG, Felix Stalder und Roger Wiezel online.
Dok-Material
Nov. / Dez. 1995: Im Rahmen der Veranstaltungsreihe 'Sprechende Körper' (kuratiert von Martin R. Dean) in der Skulpturhalle Basel realisierten Reinhard Storz, Daniel Hauser und Barbara Strebel unter dem Titel 'Schnittstelle Netzhaut' eine grössere BBS-Online-Kunstarbeit. Da es nur wenige Mitglieder in unserem BBS-Pool gab, wurde das Projekt erst mit der Transformation in eine www-Version (über thing.vienna) im Frühling 96 zur wirklichen Online-Arbeit.
Dok-Material: Version im Archiv von thing.at
Mai 1996: Workshop zum Thema Online-Kommunikation. Beteiligt waren die SfG Basel (mit StudentInnen der Studiengänge Kunst, Mode und Lehramt Bildende Kunst, InitiatorInnen und Leitung: Catherine Lutz-Walthard und Reinhard Storz), die University of Brighton (Art-Department, Leitung: Su Gulliver) und die Fachhochschule Köln (Kursleitung: Giaco Schiesser). In Sachen Online-Kommunikation funktionierte nur / immerhin die Chat-Funktion via THEswissTHING-Platform und die Bildbeiträge der Sfg Basel. Den anderen Schulen fehlte noch das technische Knowhow.
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