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Dienstag mit Markus, Katrin und Capuns - an dem dieses traditionelle Gericht für uns gekocht wird / Haimo, Chris und Kate leider nicht zum Abendessen da sind / die liebenswerte und strapazierte Besucherin Béatrice Naville, die für uns über Tonspuren geschrieben hat, endlich hier veröffentlicht wird

9.9.2001 Tonspuren Reinach oder "Quaint Walk"...
Béatrice Naville
Wohlgemut begeb ich mich im Trämli bis Surbaum in Erwartung eines stündigen Spaziergangs in einem mir unbekannten Gelände, das ich mir gemütlich, dem Hardwald ähnlich vorstelle. In Reinach treffe ich auf Freunde und freue mich, gleichaltrige Begleitung zu haben und daneben eine ganze Menge erwartungsvoller Begleiter. Die Temperatur ist angenehm, es regnet gerade nicht und nach den eisigen Temperaturen an der Performance am 6.9. bin ich nordpolmässig bekleidet - Ohrenpelzklappen, dicke Handschuhe und Schal und handfreie Discman Tragtasche.
Nach Empfang des Discmans + Soundtracks (6 insgesamt) starten wir um 20.45 mit Annina, sie erklärt zu Beginn, am ersten Stop, den ich knapp in Begleitung noch schaffe . . . dann beginnt es bergauf zu gehen - steil - meine Freunde geben auf - ich beschliesse - halb atemlos - weiterzusteigen mit bereits leise schwankender Tatkraft - die übrigen Begleiter sind weit voraus beim zweiten Stop und bald steige ich gemächlich allein weiter, ziemlich einsam aber irgendwie auch angenehm begleitet von vielen wechselnden Tönen - manchmal überholt von neuen Zusteigern, die mit flackernder Kerze den Stand ihrer CD studieren, ein Unterfangen, das ich schon gar nicht anpacke, um mich einfach den Klängen hinzugeben - ab und zu etwas unheimlich, von innen und von aussen her, bis dann am Horizont ein heller Torbogen sichtbar wird und offensichtlich der höchste Punkt erreicht ist mit seiner feenhaft flackernden, von im Winde sprühenden Funken umgebenen Schwedenfackel. Eine Sitzbank enthebt mich des Entscheidens, eine Richtung zu wählen bis ein Pärchen erscheint und auf die nächste den Weg markierende Fackel in der Ferne weist. Meine Polarkluft erweist sich da oben im Winde als sehr nützlich, auch fange ich an, mich zu schleppen und von einem Fahrrad zu träumen. Bald der Abstieg an einigen Häusern vorbei - da hab ich doch beim Aufstieg etwas Zeltartiges gesehen - ein Wunsch nach heissem Getränk hält mich in Gang und die Musik und Töne umgeben mich lullig - kein Zelt - kein Getränk - wieder einen Weg - ich frage mich etwas bekümmert, ob das nun wohl der richtige wäre, bis dann später ein Paar mich einholt und ich nachher getrost weiterwalke begleitet vom CD-Geflüster der Schritte nach unten. Ton 6 hört auf, bevor ich zu Halt 6 komme und ein bisschen im Gespräch verweile - nur Wein zu trinken??? (hier hätte es auch Batterien, höre ich später). Der Versuch, mit skip die wunderbare Musik hervorzuholen misslingt, da wohl die Batterien noch vor mir den Geist aufgegeben haben und so trampe ich weiter abwärts bis die helle Reinacher Nacht mich empfängt, still bewundert von einigen "wegelagernden Pärchen". Nun ohne Töne wird die Einsamkeit weniger wohlig, ich entwickle langsam Elefantenbeine und Knie, überlege, ob ich Autostopp mache, aber aus einem gesichteten Auto tönt es so fremdländisch unvertraut, dass ich darauf verzichte; soll ich ein Fahrrad "ausleihen" - bis zum Surbaum - dazu fehlt mir nachgerade die Energie, also weiterzotteln und endlich erreiche ich nach hundert Minuten Surbaum, wo meine Freunde mich bereits - wie wohltuend - vermissten und verirrt glaubten. Auch zur Linsensuppe kein Mumm mehr - sinke ich ins Tram, hebe meine Elefantenbeine hoch und segle nach Hause - erleichtert - kein Regen - ziemlich abgeschlagen - aber insgesamt ein bereicherndes Erlebnis.
