22.8.2001 < voriger Tag | nächster Tag >
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öffentlicher Mittwoch der Fassaden und Superlativen - 4 Bilder und viel Text
Der letze Schliff für die Rezeption / Das romantischste Lagerfeuergericht von Mona / Das Fernsehteam von Schweiz Aktuell mit dem bisher längsten Beitrag von 4 Minuten / Die ultimative Hauptprobe der Performance "11001 Jungfrauen" / Der offizielle Rekordversuch des mobilen Kinos für den längsten Filmloop aller Zeiten / Der amüsanteste Mittwochskünstlerklub mit unbedingt interessanten Teilnehmern / Der erste Mitarbeiter des Tages: Markus Müller

Markus Müller an der Fassade, eingerahmt von einem hier nicht sichtbaren Fernsehteam

Haimo und Martin komplettieren den Eingangsbereich.

Der Rekord und die Superlativen werden von der Crew des mobilen Kino Basel versucht.

Anstelle eines Lexikons: der Mitarbeiter des Tages: Markus Müller
Übersetzt von Chris Regn
Ich mache - als klaren Auftrag der Kuratorinnen, eine Aufgabe die ich als solche ernst nehmen wollte - die Fassade des Foyers. Es hat mich interessiert, Dienstleistung zu betreiben, mit meinen Fähigkeiten die Bedürfnisse anderer zu befriedigen, auch wenn ich das in meinen freien Arbeiten so nicht machen würde. Eigentlich bin ich kein Fassadenbauer, sondern arbeite als Künstler, der Skulpturen macht, vielleicht in meiner Vorgehensweise damit verwandt. Meist mit installierten Objekten, deren Vorder- und Rückansicht mit Kulissencharakter Teil eines - oft begehbaren - Ensembles sind. Es geht um die angenommene Realität und Fähigkeiten, die angedeutete Funktion der von mir angefertigten Objekte und ich spiele damit und setze sie ein wie Schauspieler.
Das Wohnen im Foyer ist als Wohn- und Arbeitsumgebung sehr angenehm. Es reduziert meine Grundaufwendungen für meine Bedürfnisse. Ich muss nebenher keinen Haushalt und kein Büro, keinen Alltagsplunder unterhalten, kann auf das Wesentliche reduzieren und viel schneller mit der Arbeit beginnen. Dabei gibt es hier keine ausmergelnde Campingatmosphäre, sondern sogar mehr Luxus, als ich es von zu Hause gewohnt bin. Ein offenes Freilufthotel ohne die Enge der Gänge und Zimmer. Stabile pure Infrastruktur mit frischer Luft.
Das Foyer als Treffpunkt funktioniert extrem gut. An den Mittwochabenden wird es zum Beispiel ganz deutlich. Man kann auch seine Ruhe haben. Sonst weiss ich manchmal, was die Leute hier tun, weil ich es sehe und es offensichtlich ist. Bei anderen, die ich Unterschiedlichstes oder Seltsames tun sehe, beginne ich zu rätseln. Manchmal beginnt mir jemand bei meiner Arbeit zu helfen und ich frage mich, ob sie dafür da sind, angestellt oder es zufällig passiert.
Wenn ich an der Fassade arbeite, stehe ich da sowieso und es macht mir nichts aus, den Passanten Auskunft zu geben und Fragen zu beantworten. Wenn es mir unangenehm wird, gibt es ja die Rezeption, an die ich sie verweisen kann. Super.
Die Fassade wird voraussichtlich am nächsten Mittwoch fertig, wenn ich das Gebüsch aus dem architektonisch bemalten Holzrohbau heraussprenge und noch eine Infektion an die Front male.
Ein Mittwochabend, vorgestellt von Andrea Saemann
Helle Nächte am Mittwoch zum Dritten. Jeweils ein guter Anlass aufzuräumen. Wir stellen zwei Tafeln auf, die die "Hellen Nächte" und das "Foyer" benennen und beschriften. Die hergestellte Öffentlichkeit schärft die eigene Wahrnehmung der Situation hier oben auf dem Feld.
Ein inszenierter Aussenblick.
Hinter dem Turm findet der Versuch des mobilen Kinos statt, sich mit dem längsten Super 8-Loop in das Guiness Buch der Rekorde eintragen zu lassen. Vier Projektoren fangen die Bilder an verschiedenen Stellen des Loops ab um sie auf Leinwände zu projizieren.
Loopfilminhalte sind persönliche Rekorde:
Das längste Gähnen, mit der Zunge eine Minute lang die eigene Nase schlecken, sich mehr als tausendmal gegenseitig auf den Kopf schlagen, das längste Aushalten eines Kitzelns in der Nase ohne zu niesen, der kleinste Eisberg und dann war da auch noch das Bild eines Unterkörpers in Radlerhose mit hängenden Händen - die drei Jurymitglieder hatten Mühe, den damit gezeigten Rekord zu erkennen.
Die Jury war wie folgt zusammengesetzt:
Herr Werner Ettlin, Präsident des Burggartenkellervereins in Bottmingen.
Herr Renatus Zürcher, Künstler, Basel.
Frau Andrea Saemann, Künstlerin und Kuratorin "Helle Nächte", Basel.
Nach drei gescheiterten Versuchen, den Loop zu projizieren, gelang das Unterfangen: Um 23 Uhr 10, nach ca. 90 Minuten, befand die Jury die Länge des Loops auf knappe 80 Meter - der wahrscheinlich längste Filmloop aller Zeiten. Im Anschluss wurde für ein Siegerbild posiert - eine der Antragsbedingungen zum Eintrag in das Guiness Buch.