23.8.2001                < voriger Tag | nächster Tag >
-------------------------------------------------------

Ruhiger Donnerstag mit wichtigen Interna

Christina bringt die Bibliothek / Einladung bei den Arbeiterschützen / Haimo und Martin verschwinden am Nachmittag / Vera Bourgeois, Künstlerin aus Frankfurt, kommt überraschend mit ihrem Sohn Billie / Alle Hüttchen sind an Mitarbeiter, Helle Nächte-Künstler und andere Gäste vergeben / der Sonnenuntergang von Edit Oderbolz hat Première / Mitarbeiter des Tages: Mona

Einladung bei den Arbeiterschützen

Die Arbeiterschützen Bottmingen laden zum Rehpfeffer (einem Wildgericht in brauner Sauce), Spätzli, Rotkraut und Preiselbeerbirne ein. Alle gehen hin, ich halte die Rezeption aufrecht und lasse mir erzählen:

Der Anlass der Einladung ist das Tollste:
Der Schützenverein schiesst am Nachmittag die Platten des "Korridors" für die Installation von Alexandre Perigot am Samstag im Sonnenbad. Um das sozusagen einzuläuten, haben sie uns alle zum Essen gebeten. Begrüsst wird im Schützenheim von den meist grossbärtigen Schützen mit einem Apéritiv nach Wunsch (Weisswein oder Rosé). Die Vegetarier bekommen schon vor dem Eintritt ihren Platz gezeigt, wo ihr Gratin ("Broccoli, Rüebli, Herdöpfel") auf dem Réchaud bereits auf sie wartet. Äusserstes Zuvorkommen von Seiten der hochkultivierten Gastgeberschützen. Meine Foyerkollegen kommen teils etwas angetrunken zurück, weil sie nach dem Rotwein zum Essen auch noch zum Dessert Crèmeschnitte mit hochprozentigem Jägerkaffee geniessen konnten.

Nachmittags beim Schiessen wurden drei verschiedene Kaliber von den Schützen gebraucht, um die Gipsplatten dem Projekt entsprechend zu perforieren. Die Zielscheibenausrichter müssen sich mit ihren Schallschutzohrenschützern verstecken, bis sie per Funk ein Kommando zum Austauschen der Platten bekommen. Die Schützen haben alle einen freien Nachmittag genommen, um sich zu beteiligen! Wir konnten in der seltenen Foyerruhe einige Schüsse davon hören.

Am Abend kann ich eine Frau mit 13jähriger Begleitung, die sich telefonisch erkundigt, ob der Sonnenbadanlass sehenswürdig sei, sofort mit der Schützengeschichte und der Milk und Wodka-Bar überzeugen.

Mitarbeiter des Tages: Mona

Übertragen von Chris Regn

Ich bin als Koch ins Foyer gekommen, weil mich Martin, den ich schon vorher kannte, dazu verführen konnte, das im Foyer zu tun, was ich bereits im Alter von 4 Jahren begann. Mich interessiert, das, was man tut und hat, zum Gegenstand zu machen - die Kunst ist da nur ein Mittel zum Zweck. Es werden dabei nicht nur Dinge verhandelt und besprochen, sondern die Art, wie man etwas macht, z.B. etwas einrichtet, empfängt, Probleme hat wird zum Punkt der Konzentration. Das ist etwas sehr Reales. Ich habe vorher 5 Jahre lang das "home", ein Basler Wohn- und Arbeitshaus mit vielen Leuten, betrieben. Das Haus war die Grundlage dafür auszuloten, wie in einem grösseren Rahmen gelebt und gearbeitet werden kann. Das Unmittelbare waren Charme und Essenz des Projektes. Es ging um Wirklichkeiten, nicht um unerprobtes Verhandeln.

Dabei ist Menschengeschichte entstanden. Das "home" war anregend, prägend und der Ausgangspunkt für viele weitere Basler Projekte.

Den Entwurf "Foyer" finde ich prima. Es gefällt mir, was gebaut wurde und zusammen gekommen ist. Die Plastikhüttchen sind wunderlich und o.k. und ich fühle mich zumindest wohl. Beim hier Wohnen fällt mir auf: es gibt nur in der Schweiz so einen Luxus.

Das Foyer sollte vielleicht noch etwas mutiger sein, exzentrisch zu werden.

Das Foyer muss ich fast ein bisschen wegnehmen aus der bildenden Kunst, in deren Kontext es mit "Helle Nächte" steht, sonst wird es für mich wie ein Zoo. Die Stärke finde ich seine Wirklichkeit und dass man es nicht einordnen kann. Ich glaube, das beeindruckt die Leute, das werden sie nicht vergessen, sich auch in 3 Monaten noch erinnern, weil es in ihren Alltag eingreift. Das gefällt mir.