27.8.2001                < voriger Tag | nächster Tag >
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Montag mit Monika - Maya Rikli kommt zu Besuch und Bax reist ab / Monika Dillier kocht für uns zu Abend / Muda und Sus verabschieden sich vor ihrer transsib. Reise von uns - gleichzeitig geben wir einen Apéro für die "Visarte" mit Trudi Schori / Martin und Haimo arbeiten an der Wetterfestigkeit des Dachs / Marc Mouci kommt an / Mitarbeiterin des Tages: mitarbeitende Kuratorin: Andrea Saemann

Mitarbeiterin des Tages: mitarbeitende Kuratorin Andrea Saemann

Das Projekt - schliesslich handelt es sich ja um das tägliche Leben hier im Foyer - mache ich mit einer Ausschliesslichkeit, dass es für mich kein "sonst" oder "Anderes" mehr gibt. Den Hintergrund unserer Arbeit machen uns die drei Kunstinstitutionen mit ihren drei Personen und die wieder mit ihrem Hintergrund der Gemeinden und des Kantons. Ziel ist es, Kunstereignisse zu positionieren und vor Ort möglich zu machen. Die Bewegung zwischen Kunst und Publikum, Stadt und Land ein bisschen durcheinanderzubringen oder umzukehren. Das bedeutet, an der Basis zu arbeiten, Basis herzustellen: das fängt an bei den Hundespaziergängern und endet mit den Kunstvereinen und unseren Auftraggebern. Dazwischen ist das Inhaltliche selbst hier im Foyer, mit allen Flaneuren, Gästen, Anwesenden, den Künstlern und Künstlerinnen und dem Entstehungsprozess des Ortes. Übermorgen, am Mittwoch, kommt die bauliche Entstehungsgeschichte zu einem Höhepunkt mit der Vernissage der Bauten. Natürlich gab es schon viele solche kleinen Höhepunkte: mit der Installation des Abwassersystems, so dass man spülen konnte zum Beispiel, oder dem Bezug der Hüttchen, die Fertigstellung der Rezeption oder des E-mail-Zugangs: das sind alles funktionale Highlights gewesen. Aber am Mittwoch werden die Teile in ihrem Gefüge vorgestellt.

Die Bauten in ihrem jetzigen Stadium harmonieren besonders gut mit dem brillanten Wetter. Um die kommenden Schlechtwetterperioden, in denen sich dann alles bewähren muss, mache ich mir ein wenig Gedanken.

Und das mit dem Luxus... das ist doch angenehm.

Und dann gibt es das ganze Betriebliche: das Hotel, die Gastwirtschaft, die Mittwochabende... . Wir stellten fest, dass es erleichternd war mit dem grossen Arbeitsaufkommen und mit den ankommenden Mitarbeitern die Rollen zu differenzieren, zu definieren und auszufüllen. Da geht es um: das vor-Ort-sein, das Kochen, das Einkaufen, das Zimmer und Gäste betreuen, die Telefone abnehmen, das Bauen und Verbessern, Küche, Klo und WC putzen, Buchhaltung machen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Dokumentation. Durch mehr anwesende Personen, verbindliche Abmachungen und durch die wohltuende spezifischere Betreuung der einzelnen Ressourcen entsteht "eine grosse 'Multifunktionalität'" (eine Art Omnipotenz?). Die Dinge vergrössern sich, werden opulenter durch diese Präsenz der Leute, es hat eine gewisse Stabilität erreicht, ist für mich an einem Punkt, wo es funktioniert.

Annina konnte ganz klar definieren, dass die Events, die Filmsets in Binningen, deshalb so schön waren, weil die Projekte bereits in ihrem Vorlauf im Foyer wurzeln konnten. Begonnen hat das mit unserer organisatorischen Arbeit, die wir beide von hier aus machen, dann kamen z.B. Muda und Sus mit ihren Performerinnen hier hoch, die Performance ist immer wieder Thema, anschliessend blieben einige Beteiligte noch als Gäste, die Zeitungsausschnitte werden gelesen, besprochen und sortiert - und so war die Präsentation vor diesen geschätzten 250 bis 350 Personen nur ein Teil eines Ablaufs, den wir verfolgen konnten. Ein Event, das in einer Nacht stattfindet, bekommt so eine längere Dauer. (Genauso bei Alexandre Perigot: Er kommt mit seiner Tochter Aurelia als Gast, der Schützenverein arbeitet mit und lädt das Foyer ein, die Künstler, die Techniker und Alexandres Crew wohnen im Foyer...)

Für mich geht das Konzept, das Prinzip des Foyers, in diesem Zusammenhang auf. So lerne ich Haimos Eltern kennen, taucht mit den hier Anwesenden auch deren Umfeld auf und kommen neue Relationen und Gewichtungen hierher, auch eine künstlerische Idee kann durch die Synergien hier eine Wendung bekommen. Für mich sind das meine kuratorischen Höhenflüge.

Sonst bin ich sehr Publikums- bzw. Gäste-orientiert - frage wie es ihnen so geht. Ich freue mich darüber und es bestätigt meine Behauptung, dass auch die Leute, die am Anfang skeptisch waren, jetzt zum Ausdruck bringen, wie wohl sie sich fühlen, auch langsam zu spüren beginnen, wieviel das Foyer für das gesamte Projekt ausmacht. Ich frage mich, ob die Menschen, die sich nicht so wohl fühlen, einfach nichts zu mir sagen?

Überraschend sind die Mittwochsanlässe mit ihrer starken Eigendynamik, die mit meinen Plänen nichts mehr zu tun hat. Ich freue mich dann sehr darüber und bin stolz, dass wir einen Raum schaffen konnten, in dem Dinge möglich sind und passieren, die ich nicht einmal denken könnte. Es tun sich Räume auf, die die Leute, die hier sind, engagiert öffnen.

 

Sus Zwick erzählt von Renatus Zürchers Installation: "Sandweg und Velte - eine Räubergeschichte"

Renatus versteht es unglaublich gut, mit seiner Installation und besonders seiner Anwesenheit an der Bar, mich als Besucherin der Szenerie von der Geschichte zu begeistern. Die vorgestellte Angelegenheit wird ganz dicht und das Interesse daran fast unausweichlich. Die Hörstation lässt die Geschichte in den Zeitzeugenberichten erscheinen und die Projektionen an der Scheunenwand zeigen zum einen die Fahndungsfotos und zum anderen beginnen sie, mit dem Gang über die Brücke, den Weg zum Todesort der beiden, den die Schallplattenverkäuferin mit dem Brot genommen haben soll. Wir sind dann der erstaunlich hellen Mehlspur in die Dunkelheit gefolgt, bis sie an der zweiten Parkbank endete. Es war schon unheimlich!