3.9.2001 < voriger Tag | nächster Tag >
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Montag mit Sonnenschein - mit kleinen Besprechungen / mit kleinen Problemen / mit kleinen Erledigungen / mit Marcs Abreise / mit netten Hotelgästen / mit neuem Wasser im Pool / mit erneutem Kettensägeneinsatz (für das zweite Viertel der Wegbeleuchtung für Reinach) / mit Ausgang von Haimo und Martin / mit einem Treffen der Kuratorinnen mit Lisa Fuchs / mit einem kalten Abend / mit einem Koch, der es verpasst zu Essen / Mitarbeiter des Tages: Marc Mouci

Mitarbeiter des Tages: Marc Mouci
mmouci@bluewin.ch. Mehr zu dem Projekt unter: www.mouci.net/LiebestaumelIch habe hier im Foyer die Möglichkeit angeboten, einen etwa 3 bis 5 minütigen Liebesfilm mit mir, auf der Grundlage eines vorbereiteten Satzgerüstes, zu drehen. Die Liebesgeschichte, ihren Liebesfilm, sollten die Interessierten selbst mitbringen. Annina Zimmermann hat meine Arbeit als Künstler verfolgt und mich eingeladen, hier im Foyer zu arbeiten. Eigentlich ist es nicht so mein Ding, eine Woche im Freien zu übernachten und zu wohnen, und ich habe überlegt, was ich hier im Foyer machen kann. So entstand das Konzept zu einem "Liebesfilm", der das Foyer als Kulisse für die Liebesentwürfe nutzt. Schon bei meiner letzten Aktion "In bed with me", bei der ich im letzten Jahr dazu eingeladen habe, eine Nacht mit mir zu verbringen (ohne Sex), hat mich eine Inszenierung interessiert, die sich mit Intimität und Nähe auseinandersetzt. Mich interessiert, was sich bei solchen Einladungen in intime Situationen bereits vorher im Kopf abspielt.
Ich bin Künstler, jetzt 37 Jahre alt und arbeite in den Bereichen Fotografie, Performance, Video und Internetauftritt. Ich habe eine Schauspielausbildung absolviert, was in meiner Performancearbeit vielleicht sichtbar wird. Ich suche bei meinen Performances und Projekten oft den direkten Kontakt zu Leuten und versuche mit meinen Einladungen, persönliche, intime Fragen aufzuwerfen und zu bearbeiten. Indem ich die Teilnehmer nach ihrem eigenen Entwurf frage, "zwinge" ich sie sozusagen dazu, sich von diesen Fragen anregen zu lassen und die Performance unsichtbar in ihren Köpfen zu beginnen. Schon wenn sie überlegen, ob sie mitmachen, wie es wohl sein wird, wer sonst mitmacht... wird ihre Phantasie angeregt. Es gibt viel Kopfarbeit bei meinen Performances.
Ich habe gerne hier gewohnt. Den Luxus hier habe ich gerne als Alltag angenommen. Mir haben die eigenen Hüttchen, als Möglichkeit sich zurückzuziehen, gefallen und daher hat es mich auch besonders gestört, wenn sie bei warmem Wetter schon morgens zu heiss waren, um sich darin aufzuhalten. Dann fühlte ich mich zu dieser Form des öffentlichen Lebens verdammt! Gestern am Sonntag kam ich mir sehr zur Schau gestellt vor, als sehr viele Spaziergänger ganz nah kamen und wortlos starrten, fast wie im Zoo! Es hat mich agressiv gemacht, dass die Leute überall, wo ich mich bewege, hineinsehen und hineingehen können wie sie wollen. Von daher finde ich das Foyer als offenes Prinzip sehr gelungen, würde mir aber mehr Geschlossenheit und Privatsphäre wünschen. Ein Ausstellungsprinzip mit Öffnungszeiten für das Foyer fände ich lustig. Klare Angebote oder Führungen zu festen Zeiten für die interessierten Menschen - die sich ja auch orientieren wollen - fände ich gut.
Die Bauten gefallen mir gut. Ich finde es schade, dass es jetzt mit dem Bauen zu Ende sein soll. Es würde mir gefallen wenn es noch mehr Bauten gäbe, eine zweite Kuppel z.B., es von Woche zu Woche weiter wuchern würde - für mich ist es noch nicht zu Ende!
Ich habe es überraschend angenehm gefunden, hier hauptsächlich zu wohnen, mit den Leuten zu sprechen und meine Arbeit mit den Liebesfilmen und den Interessierten "dazwischen" zu platzieren. Der Austausch mit den Anwesenden war sehr angenehm. Es war wie ein freundschaftliches Zusammenkommen, das ich gar nicht von Anfang an begriffen hatte. Ich war erstaunt, wie viele Leute hier nach oben kamen und auch hier übernachteten. Alle schienen mir mit etwas beschäftigt zu sein, was mit dem Foyer zu tun hatte, oder sich im Umkreis dessen zu bewegen. Ich fand es erstaunlich, wie viele unterschiedliche Leute an dem Foyer und den Projekten der Hellen Nächte beteiligt sind.